1924
Folgende Vereinsgeschichte ist dem Heimatbuch der Marktgemeinde Blindenmarkt entnommen.
… versammelten sich junge Männer, die über musikalische Kenntnisse verfügten und gründeten eine Ortsmusikkapelle. Der älteste unter Ihnen, der auch die meiste Erfahrung auf musikalischem Gebiet besaß, war der ehemalige Militärmusiker Quirin Hopf aus Weitgraben. Er unterrichtete auf Grund seiner Befähigung in vielen Proben, die um ihn versammelten Musiker.
Das erste öffentliche Auftreten der neugegründeten Musikkapelle vollzog sich am Fronleichnamstag 1924. Quirin Hopf wurde die Kapellmeisterstelle anvertraut. Die weiteren Gründungsmitglieder waren: Der Schuhmacher Franz Walter sen., der Friseur Otto Höpfl, der Schneidermeister Anton Wieser, der Wagnermeister Franz Lechner jun. und die Landwirte Georg Dammerer (aus Kottingburgstall), Johann Luger (aus Dreihäusl), Karl Aichinger (aus Prasdorf), Leopold Haberfellner (aus Atzelsdorf) und Franz Paungartner (aus Hörmannsdorf).
… erwarb die Musikkapelle mit Unterstützung des damaligen „Kriegervereins“ Blindenmarkt Trommel und Becken (Tschinellen) und die nötigen Notenständer. Dafür verpflichtete sich die Ortsmusikkapelle, dem Kriegerverein durch 10 Jahre bei allen seinen Veranstaltungen ohne Entgelt zu spielen.
Der Zweite Weltkrieg aber unterbrach die erfolgreiche Vereinstätigkeit. Vor diesem Krieg wirkte die Ortsmusikkapelle bei örtlichen Veranstaltungen eifrig mit und war bemüht, das Beste zu geben.
… taten sich heimgekehrte Kameraden zusammen und gründeten eine Tanz- und später eine Blasmusikkapelle. Es wurden die Musikinstrumente, soweit sie noch vorzufinden waren, aus dem Versteck hervorgeholt. Für die Uniformen musste ein Ersatz geschaffen werden. Aus Restbeständen im Wäscheschrank wurden Leinenblusen angefertigt.
Das meiste Notenmaterial war durch die Kriegsereignisse verloren gegangen. Sepp Walter aus Unterholz verstand es meisterhaft, aus einzelnen noch vorhandenen Notenblättern Noten für die Tanzmusik zu setzen und handschriftlich zu vervielfältigen. Der Grundstein für ein neues Aufblühen der Musikkapelle war somit geschaffen. Der Erfolg blieb nicht aus. Der Wirkungsbereich des Vereins erweiterte sich über die Grenzen hinaus und 1959 trat der Verein dem Bund der Blasmusikkapellen NÖ bei.
… wurde unter Obmann Bgm. Tiefenbacher die Neuinstrumentierung und damit die Umstellung auf Normalstimmung vorgenommen. 1971 wurde die Musikschule in Blindenmarkt neu aktiviert und intensiv mit der Ausbildung der musikalischen Jugend begonnen. 1974 wies der Verein bereits 39 aktive Mitglieder auf.
Im Jahre 1930 erhielt die Musikkapelle die erste Uniform, zum 40-jährigen Bestandsjubiläum die zweite Unform, die im Jahre 1965 durch den NÖ. Trachtenanzug ersetzt wurde. Im Jahre 1976 erfolgte der Umstieg auf Trachtenbekleidung, die anlässlich des 50-jährigen Bestandsjubiläums bei einem dreitägigen Fest der Blindenmarkter Bevölkerung präsentiert wurde. Bei der Segnung der Trachtenbekleidung (ockergelbe Jacken mit schwarzen Knickerbockerhosen und roten Stutzen) übernahm für jeden Musiker eine Musikpatin die Patenschaft und damit einen Teil der finanziellen Belastung. Im Jahre 2002 wurde die Trachtenbekleidung auf eine elegante Tracht mit schwarzer Lederhose, grauem Trachtenjanker und weißen Stutzen geändert.
… konnte der damalige Obmann Franz Walter sen. die auf seine Initiative und durch die Finanzierung aller Gemeinden des Gemeindeverbandes Melk entstandene Bezirksfahne des Blasmusikbezirkes Melk der BAG-Leitung übergeben. Änderungen gab es auch in der Instrumentierung: Die bisher verwendeten Es-Trompeten hatten ausgedient und wurden durch Alt-Hörner ersetzt.
… wurde das erste Schlosskonzert im Schloss Auhof durchgeführt. Dies war der Beginn einer sehr erfolgreichen jährlichen Konzertserie (jetzt Frühlingskonzert) in deren Rahmen unsere Musiker bis heute immer wieder Glanzlichter setzten und den Zuhörern die musikalische Entwicklung vor Auge (und Ohr) führen.
… wurde in einer außerordentlichen Generalversammlung der Vereinsname „Musikverein Blindenmarkt“ auf „Jugend- und Trachtenkapelle Blindenmarkt“ geändert.
… wurde erstmalig der „Tag der Blasmusik“ mit Musizieren von Haus zu Haus, Weckruf und Messe durchgeführt.
… stand im Zeichen des 65-jährigen Bestandsjubiläums und der grenzüberschreitenden Musikkameradschaft. Sowohl die Jugend- und Trachtenkapelle aus Neunkirchen am Brand (BRD) als auch die Jugendkapelle aus Totkomlos (Ungarn) fühlten sich als Gäste wohl und trugen zum Gelingen bei. Am Musiktreffen nahmen 14 Kapellen teil und mit einem ausgezeichneten Großkonzert wurde der musikalische Abschluss gefeiert.
… fuhr die JTK auf Konzertreise nach Südungarn. Bei Konzerten in Gyula, bei einem internationalen Fest der Pferde und einem Großkonzert in Totkomlos konnten die Blindenmarkter durch ihr österreichisches Musikprogramm die Herzen der Zuhörer im Sturm erobern. Besonders beeindruckend fiel auch die kunstvoll gestaltete Marschmusikshow aus.
… veranstaltete die JTK zum ersten Mal die zu einem Fixpunkt des Blindenmarkter Veranstaltungskalenders gewordene Sonnenwende in Fürholz.
… wurde der erste Mostheurige in Harland bei der Familie Reithner abgehalten. Seit 2015 findet der Mostheuriger in der Oldtimerhalle statt.
… wurde das Übereinkommen zwischen Gemeinde, Feuerwehr und JTK hinsichtlich des Umbaues und der Erweiterung des schon sehr in die Jahre gekommenen Mehrzweckhauses geschlossen und 1996 wurde die Baukommission für den Mehrzweckhausausbau durchgeführt. Die Jugend- und Trachtenkapelle mit dem Baukoordinator Gerhard Pils leistete mit vielen freiwilligen Helfern aus der Bevölkerung im Zeitraum vom 30.5.1997 bis 9.3.2000 für den Umbau des Mehrzweckhauses sowie zur Errichtung des Musikheimes 6.010,50 Arbeitsstunden. Da über Jahrzehnte hindurch bereits für ein Musikheim angespart wurde sowie durch die durchgeführte Bausteinaktion konnten noch beträchtliche Barmittel eingebracht werden. Für diesen enormen Beitrag seitens der Jugend- & Trachtenkapelle wurde in zähen und langwierigen Verhandlungen zwischen dem damaligen Bürgermeister Franz Haberfellner und dem Kassier der JTK Blindenmarkt Franz Wögerer ein 99-jähriger Mietvertrag, gültig ab 1.1.2000 ausverhandelt. Im Jahre 2000 fand die Neueröffnung durch Landeshauptmann Erwin Pröll statt, wo den freiwilligen Helfern und Gönnern mit hohen Auszeichnungen seitens der Gemeinde Blindenmarkt und des Landes NÖ gedankt wurde.
… wurde die JTK nach Neunkirchen am Brand (Deutschland) eingeladen um das Bundesbezirksmusikfest und 60-Jähriges Jubiläum der JTK Neunkirchen mit zu feiern. Viele neue bleibende Freundschaften wurden geschlossen.
… wurde das bestehende Logo der JTK Blindenmarkt ersetzt und das neue Logo offiziell beim Frühlingskonzert vorgestellt.
Die JTK nahm über die Jahre hinweg an sehr vielen Konzert- und Marschwertungen teil und erreichte dabei fast ausnahmslos ausgezeichnete Bewertungen. Mit vielen Veranstaltungen integriert sich die Jugend- und Trachtenkapelle voll in das Gemeindeleben und leistet einen wesentlichen Beitrag zum guten Miteinander in der Marktgemeinde Blindenmarkt.
Nicht zuletzt durch den großen Einsatz der einzelnen Kapellmeister der JTK:
Quirin Hopf, Anton Brandstetter, Franz Walter sen., Franz Eppensteiner sen., Josef Walter, Franz Eppensteiner jun., Kurt Dlouhy (Dirigent v. 1971 bis 1978), Georg Mayer (1971 – 1994), MMag. Wolfram Rosenberger, Thomas Steinkellner, Thomas Hofbauer, Franz Kronsteiner jun.
sowie der Obmänner:
Franz Walter sen., Bgm. Johann Tiefenbacher (1970 – 1978), Franz Walter jun. (1978 – 1984), Josef Watschka (1984 – 1985), Dir. Franz Zaufel (1985 – 1995), Wolfgang Büchele (1995 – 2001), Gerhard Pils (2001 – 2004), Franz Teufel (2004 – 2019) und Rainer Buder (seit 2019).
